Eine saubere Schnittkante ist das A und O beim Abstechen von Folien auf Rolle. Doch wie erreicht man das? Hier einige Empfehlungen für die tägliche Praxis.

Abstechen wie ein Profi – das ist gar nicht so schwer. Wenn man ein paar grundsätzliche Zusammenhänge verstanden hat. In dieser Folge unsere Abstechserie schauen wir sieben Parameter näher an. Sie haben einen großen Einfluss darauf haben, ob die Schnittkante ausfranst, die Rolle gequetscht wird, ob sich Staub oder Kleberrückstände bilden – oder eben nicht.

Im folgenden geht es um diese Themen:

  1. Umdrehungsgeschwindigkeit: Schnell ist nicht immer besser
  2. Eintauchgeschwindigkeit in das Medium: Hohe Kontrolle statt hoher Druck
  3. Sonderfall stehende Klinge
  4. Schmierung der Klinge: Immer, wenn möglich
  5. Temperatur der Klinge: Im Zweifelsfall Pause machen
  6. Umgebungstemperatur: Bei Hitze viel schmieren
  7. Wickelspannung des Mediums: Lieber mal neu umwickeln

1. Umdrehungsgeschwindigkeit: Schnell ist nicht immer besser

Nicht immer ist eine höhere Umdrehungsgeschwindigkeit die bessere Wahl. Je schneller sich die Rolle dreht, umso häufiger kommt das Messer an einer Stelle vorbei, an der bereits geschnitten wurde. So wird mehr Reibung erzeugt, dadurch auch mehr Hitze und tendenziell entstehen mehr Staub und mehr Fransen, indem das Messer immer wieder am bereits geschnittenen Material entlang schabt. Aber: Je langsamer die Rolle gedreht wird, umso weniger Drehmoment entwickelt der Motor – bis irgendwann der Punkt erreicht ist, wo die Klinge gerade bei zähem Material nicht mehr durchtauchen kann.

Unsere Empfehlung: Ein guter Mittelweg bei NEPATA-Abstechmaschinen liegt bei einer Einstellung von 50 bis 70 Prozent der maximalen Geschwindigkeit.

2. Eintauchgeschwindigkeit in das Medium: Hohe Kontrolle statt hoher Druck

Natürlich muss man eine gewisse Kraft aufbringen. Man darf jedoch die Abstecheinheit keinesfalls zu fest herunterdrücken. Das würde das Material quetschen. Zudem kann sich bei großen Kräften sogar die Klinge verbiegen. Das würde zur Fransenbildung beitragen. Wer jedoch zu zaghaft ist und den Abstellhebel nicht fest im Griff hat, läuft Gefahr, dass die Klinge bei Berührung mit der Rolle wippt und so das Material zerstört.

Unsere Empfehlung: Gemächlicher Druck mit einer hohen Kontrolle über den Abstechhebel. Das erfordert eine starke Hand, nicht unbedingt einen starken Druck nach unten. Wenn man merkt, das Ganze kommt ins Stocken, muss die Drehgeschwindigkeit etwas erhöht werden, so dass mehr Drehmoment zur Verfügung steht. Bei vielen Medien ist eine mittlere, zügige Geschwindigkeit empfehlenswert (Flockfolie, Flexfolie, Laminierfolie), bei anderen Materialien eher niedriges Tempo (z.B. Magnetfolien, reflektierende Klebefolien). Hier sind Tests und Erfahrung nötig.

3. Sonderfall stehende Klinge

In der Regel empfiehlt sich Schneiden mit mitlaufender Klinge, d.h. sie dreht sich passiv auf dem Material mit. So entsteht weniger Reibung und daher weniger Hitze im Medium, die Schnittleistung verteilt sich gleichmäßig auf den Klingenumfang. Es gibt jedoch Medien, die sich nicht mit einer mitlaufenden Klinge schneiden lassen, z. B. Schaumklebefolien. Für diesen Fall lässt sich die Klinge bei den NEPATA-Abstechern blockieren. Die stehende Klinge sorgt für eine höhere Schneidkraft im System. Es entsteht aber wesentlich mehr Reibung. Wieder gilt: Dies erzeugt Wärme, der Kleber kann verschmieren.

Unsere Empfehlung: Bei kleinen Durchmessern kommt das Problem mit der stehenden Klinge nicht so zum tragen. Große Bänder, die eine stehende Klinge erfordern, sollten bei dieser Art von Abstechsystemen die Ausnahme bleiben. Hier nicht zu viele Vorgänge hintereinander ausführen. Zwischendurch kann die Klinge durch Schneiden einer anspruchsloseren Folie oder einer leeren Papphülse immer mal wieder sauber gerieben werden. Zudem sollte die Klingenposition von Zeit zu Zeit geändert werden, damit nicht immer an der gleichen Stelle geschnitten wird.

4. Schmierung der Klinge: Immer, wenn möglich

Schmierung ist bei vielen Medien sehr wichtig beim Schneiden. Sie senkt die Reibung und damit die Wärmeentwicklung. Es werden weniger Kleberückstände auf der Klinge aufgebaut. Es gibt nicht nur Schmiermittel auf Ölbasis, sondern auch wasserbasierte. Diese bieten sich an, wenn man befürchtet, dass das Silikon der Klebekraft der Folie schaden könnte. Bei dem von NEPATA entwickelten automatischen Backenschmiersystem genügen zudem sehr geringe Mengen Schmiermittel, so dass wir hier noch keine negativen Erfahrungen in der täglichen Praxis gemacht haben.

Unsere Empfehlung: Überall, wo es nicht schadet, Schmiermittel einsetzen!

5. Temperatur der Klinge: Im Zweifelsfall Pause machen

Jeder Schnitt erhöht die Temperatur der Klinge. Wenn sehr viele Schnitte schnell hintereinander erfolgen, kann die Klinge so heiß werden, dass das Schnittbild beeinträchtigt wird. Es kann immer mehr Kleber an den Schnittkanten der Folie austreten bis hin zu einem Verschmelzen der einzelnen Lagen.
Dies ist bei zähen Materialien schneller der Fall, insbesondere, wenn die Klinge stehend verwendet wird. In Extremfällen kann es zu einer Verformung der Klinge kommen. Allerdings sprechen wir hier von hunderten von schnellen Schneidevorgängen, z.B. bei der Produktion von sehr schmalen Streifen.

Unsere Empfehlung: Der Klinge nach mehreren Schnitten eine Pause gönnen, so dass sie wieder ausreichend abkühlen kann.

6. Umgebungstemperatur: Bei Hitze viel schmieren

Die meisten Folien lassen sich schlechter abstechen, je höher die allgemeine Temperatur bzw. die Temperatur des Mediums ist. Bei Klebefolien gilt dies besonders: Klebstoffe verändern bei Wärme ihre Viskosität und schmieren leichter. Dies ist vor allem bei nicht klimatisierten Räumen im Sommer zu beachten, wenn es in der Halle schon mal 35 Grad Celsius hat.

Unsere Empfehlung: Bei höheren Umgebungstemperaturen etwas langsamer machen und immer sorgfältig schmieren.

7. Wickelspannung des Mediums: Lieber mal neu umwickeln

Die Wickelspannung ist von sehr großer Bedeutung. Locker gewickelte Medien mit losen, gleitenden Wicklungen lassen sich grundsätzlich sehr viel schlechter abstechen als straff gewickelte Rollen (oder linerlose Medien). Die lockeren Wicklungen führen zu Wellenbewegung zwischen den Lagen. Durch die Verschiebung ergibt sich hundertprozentig Fransenbildung. Doch Achtung: Auch zu feste Wicklungen sind problematisch, da die Rolle dann zu kompakt wird, um überhaupt noch die einzelnen Lagen durchtrennen zu können.

Unsere Empfehlung: Wenn solches Material an die Maschine kommt, lieber noch einmal sachgemäß neu wickeln. Das Umwickeln auf einer NEPATA-Maschine unter geregelter Bahnspannung stellt sicher, dass die Wickelspannung perfekt ist für schöne Abstechergebnisse.

Extra-Tipp: Training und Video “Abstechen wie ein Profi”

Natürlich gibt es noch weitere Parameter, die einen Einfluss haben, ob die Schnittkante sauber wird oder ob es Probleme beim Abstechen gibt. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter zu echten Abstech-Profis machen wollen, bieten wir gern Trainings an NEPATA-Abstechmaschinen und Konvertierungs-Zentren mit Abstecheinheit (((Link Maschinen))) an. Oder Sie schauen sich unser Video an “Abstechen wir ein Profi”.

Training “Abstechen wie ein Profi” hier anfragen

Mehr Know-how zum Thema Abstechen gibt es in diesem Video

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Bisherige Artikel in unserer Abstech-Serie:
#1 – Welche Klinge für welchen Zweck
#2 – Achtung, scharf! Der richtige Schliff